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Full text of "Ueber die ältesten formen des organischen lebens auf der erde"

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'J' 

Hebet Me älteren iForuten 

be$ 

urganif^cn fiebcnö auf ber @rbe. 

33on 

Dr. $crb. Stoemer, 

@elj. Sergratf; linfc ^rcfeffor ju ©reälau. 


Hrrlin, 1869. 

6. &. 8überi£'fcfce ^erlajöbucl^aitbtung. 

St. GljarifiuS. 

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Sa« Dtedjt bet Ueberießung in frembe igpracben teirb »ctbefjalten. 


I 


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*lub bet in ihrer Soflftänbigfeit mehrere teilen bitfen 9ieihen= 
folge oon ©efteinbf dachten, welche fid) alb ©ebimente ober 9Rie= 
berfchläge aub bem SBaffet im Saufe bet ungeheueren für bie 
allmähliche Aubbilbung beb (ärbfötperb erforberlichen 3eiträume 
n ad) einanber gebilbet haben , finb in beit lebten Sal)ren befon» 
berb bie oberften unb jüngfteu, bie Ablagerungen beb fogenannten 
SMluöiumb unb Aßuoiumb, gurn ©egenftanbe befonberer Auf= 
merffamfeit unb eingehenbfter 9ßachforfd)ung in betreff ihrer 
Aufeinanberfolge im ©ingelnen, fowie in betreff bet ©in= 
fdflüffe »on foffilen Drganibmen, weld)e fie enthalten, gemacht w 
worben. 2)ie ©Rettung, baff in gewiffen bem 5)iluoium guge* 
rechneten Ablagerungen menfdjliCbe ÄnoCheu unb »on fölenfchen* 
hanb gearbeitete $euerftein*@eräthe gufammen mit Änod)en oon 
gegenwärtig aubgeftorbenen 5£^ieren, wie bem ©tammuth (Ele- 
phas primigenius) unb bem Urftier (Bos primigenius), oorfom* 
men , macht bie erften mettfdjticben SSewohner beb mittleren ©uro* 

m 

pab gu Beitgenoffen biefer erlofChenen $hietformen unb »erlegt 
bamit bab erfte Auftreten beb 9Jienfchen auf ber Qjtbe in eine 
unenblich oiel weiter gurücfliegenbe 3eitepod)e, alb Srabiticn unb 
wiffenfihaftliChe gorfd)ung bibher faft übereinftimmenb annahmen. 

3 5a gteidjgeitig mit biefer ©ntbecfung bie fcharffinnigen unb an* 
regenben, wenn auch noch nicht gu aßgemein anerfannten fichereu 

IV. 92. 1* (747) 


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©rgebniffen burdjgeführten Unterfucbungen £)arwin’b über bie 
allmä^lidie llmwanblung bet j£ljier= unb ^flattgett = örtert befannt 
Würben , fo erweiterte fid) bte Stage ttad) bem elften Sluftreten 
be§ 3Jtenf<hen auf bet (Stbe gu einer ^Betrachtung übet ben ttt- 
fprung beb SRenfcfyen überhaupt , beten tief gteifenbe Sßebeutung 
in »eiten Greifen bet ©ebilbeten lebhaft empfunben wirb. 

Etidjt minber, alb in folget SOßeife bie oberften unb jüngften 
©lieber in bet mächtigen SPeihe bet ©ebimentgefteine ein befon= 
bereb Sntereffe barbieten, nehmen nun anberer ©eitb bie tiefften 
unb älteften ©lieber biefet Speisenfolge bie nähere SBeacbtung in 
&ntytudj. JDenn biefe Schichten entl)alteu bte Ueberrefte bet 
älteften unb ^flangenfchöpfung, welche bie ©tbe belebte 

unb aub welcher fidj bie gablteichen in ben jüngeren ©efteinen 
begrabenen Schöpfungen i« nientalb unterbrochener organifcher 
SBerfnüpfung bib gu bet gegenwärtig lebenben entwicf eiten. 9tacb= 
bem in ben lebten Sahrgeljnten aub ben Derfcfjiebenften ©egenben 
bet (Stbe biefe älteften 2h>er= unb §)fiangenrefte befannt geworben 
finb, fo ift eb gegenwärtig fcbon möglich, ein in ben großen 
3ügen richtiges r wenn auch ©injelnen noch unoollftänbigeb 
SBilb »on ben älteften Sonnen beb organifchen Sebenb 
auf bet ©tbe gu geben. 3n bem 9iad)ftehenben foE bet Sktfuch 
gemacht werben, wenn nicht ein folcheb 33ilb, bocheine ohne pa= 
läontclogifche Äenntniffe oerftänbliche Sfigge gu entwerfen. 

Unter bem älteren Steinfohlengebirge b. i. bem bie £>aupt= 
mafje foffiler $ohle einfcbliefjenben mächtigen Schichten =©nfteme 
ift in ©eutfdilanb unb in anberen 8änbern eine noch ungleich 
ftärfere ^Reihenfolge »on thonigen, fanbigen unb fälligen @e= 
fteinen abgelagert. SDie älteren beutfdjen ©eologen faxten biefe ©e« 
fteine unter ber Senenrarag ber@tau»acfen= ober Uebetgangg* 
Sormation gufantnten. 2lber obgleich man tourte, bafc bie 
gange IReihe biefer ©efteine eine JDicfe »en oielen taufenb §u| 

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befißt, je gelang cd bech nicht, einzelne bureb fonftante 90terf= 
male begeiebnete unb in beftimmter Drbnung übereinanber folgenbe 
Unterabtl)eilungen ober ©lieber, mie begleichen in ben jüngeren 
Formationen, 5 . 33. ber £riad= unb Juraformation längftunterid)ie= 
ben mären, in biefern fogenannten Uebergangdgebirge naebgurceijen. 
5)ie meiftend fe^r geftörten unb t ermittelten bagerungdterbültniffe 
bieier ©d)icbten, bie im mittleren ©utopa nirgenbmc mehr in ber 
bori^ontalen bage, in melier fte urfprünglicb abgelagert mürben, 
fttb befinben, fonbern bureb jpätere Hebungen aufg endetet, man» 
nic^faCb gebogen unb bureb einanber gemorfen finb, mie aud) 
ber anjebeinenbe SiJlangel oon SBerfteinerungen ober organijeben 
©inftlüffen, melcbe ald SJterfmale für bie ©ttennung beftimmter 
©d^eßten gu benußen mären, jebienen fi(b ald unübetminblicbe 
dpinterniffe ber Stufflärung ber ursprünglichen regelmäßigen X'luf= 
einanberfolge biefer ©efteine, mie au<b ber ©rfennung uatür= 
lieber 3tbtbeilungen ober ©ruppen für alle Seit entgegenguftellen. 
2 )er mit großen fombinatorifeben ©cbarfblicf audgeftattete englifebe 
©ebirgdforfebet 9)iurdnjon mußte biefe ©djmierigf eiten gu über* 
minben. 35ur<b ein forgfältiged ©tubium bed über einen großen 
Sbeil bed meftliebcn ©nglanbd oerbreiteten aud SLbonfdjiefern, 
©anbfteinen unb Äalffteinen beftebeuben ©ebicbten<©pftemd ge* 
langte er gu ber Uebergeugung , baß biefe mächtige ©ebiebten* 
reiße fi<b bureb bie ©efammtbeit feiner otganifeben ©infcblüffe ton 
ber jüngeren ©teinfoblenf ormation beftimmt unterfd^eibe unb in 
eine Ängaßl ton täbtbeüungen ober ©toefmerfe jerfaUe , melebe 
überall in berfelben tÄufeiitanberfolge ficb mieberfinben unb oon 
benen eine jebe bureb eigentümlich fofftle $bierrefte begeiebnet 
ift. ©r legte bie ©tgebniffe feiner Unterjud)ungen in bem 1839 
erjebienenen großen SBerfe „The Silurian System“ nieber. 2)ie 
Benennung mürbe ton ben alten ©iluren entlehnt, einem Sßolfß= 
ftamme, ber gur Seit ber ©roberung 33ritanniend bureb bie 

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(Römer benjenigen ganbftrich beg weftlicben ©nglanbg bewohnte, 
über wetten fitb bie oon SRurchifon unterfuchten ©djicfcten Der* 
breiten. Snzwiicben waren au8 gewiffen faltigen unb fdjiefrigen 
©efteinen ber ©raffdjaft ©eoonfhite Berfteinerungen befannt ge* 
worben, beren organischer @efammt=6^arafter gwiftben bemjeni* 
gen ber ©ilurifchen ©d)id;tenreibe unb bemjenigen be§ ©teilt* 
fotden=@ebirgeö tn ber ©litte ju flehen fchien. Slug biefem Bet* 
galten Schloffen ©t urdufon unb ©ebgwitf auf eine mittlere Slltcrg* 
ftellung biefer ©djidjten. @ie faxten biefelben als eine britte 
gwifdjen bem ©ilurifchen ©i)fteme unb bem Äohtengebirge ftehettbe 
^auptabtheilung' beg älteren ©ebirgeg unter ber Benennung be§ 
5) e o o n i | d) e n ©hftemg jufammen. SBenige 3at)re fpätcr lehrte 
eine oergleidienbe Betrachtung, baff eine anbere (Reifte oon ©e= 
fteinen, welche an Dielen ©teilen in 25eutfd)lanb bem ©teinfof}* 
lengebirge aufru^enb gefannt ift, unb beren epauptglieber, wie fte 
namentlich in Sl}üringen unb im ©laugfelbfcheu entwicfelt ftnb, 
feit alter Seit alg (Rotbliegenbeg , Ä'itpferfcbiefer unb Sediftetu 
bitrcb ben beutf eben Bergmann bezeichnet werben, in ihrem pa* 
läontologifchcn ©barafter bem ihr im Silier oorangehenben ©tera* 
fohlengebitgc enger oerbunben ift, alg ber über ihr folgenben uttb 
alfo jüngeren $triag = Formation, bet fte fich burdf bie minerale* 
gifefte Beschaffenheit ihrer ©efteine unb ber hagerunggoerhältniffe 
anfchliefjt. 3ubem man baher auch biefe ©djichtenteihe, welche 
nad) ber oorjuggweife auggebehnten unb mächtigen ©ntwicfelung 
im (Ruffifdjen ©ouoernement $>erm bag fPermifche ©Aftern 
genannt wirb, ebenfalls bem älteren ©ebirge ober berpaläogot* 
fdjengormation zurechnete, erhielt man für biefe im ©angen 
oier ,paupt=9lbtheilungeu , nämlich bag ©ilurifdie ©nftem, bag S5e= 
tonifd)e@oftem, bag ©teinfohlengebirge unb bag ^etmifche ©Aftern. 

3ahlrei<he Ueberrefte oon Spieren fangen ftnb burd) 
biefe Slbthcilungen ber paläogoifchen Formation oerbreitet. 2)urch= 

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gängig entfernen fid> biefelben tu ihrem änderen Slniehen unb 
in i^rem inneren 23au »eitet non ben Organismen ber gegen» 
»artigen ©djöpfung als bie feffilen (Hefte ber jüngeren gerieben. 
Sn ben ©efteinen ber leiteten, »ie g. 23. berjenigen ber .ft reibe» 
unb £ertiär=3eit, finb bie eingefdjloffenen 2bierfcrmen wohl ber 
Slrt nach butcfygäugig non folgen ber Sefctwelt üerfd)iebeu unb 
aud) ber ©attung (genug) nad) finb ihnen ^atjtreidre gönnen 
eigentümlich, welche man oetgeblich in ben (Dieeten ber Sefctwelt 
fudjt. Stber bennod) ertemit man bei bet 2>lel)tgabl ber iHrten leicht 
unter bett lebenben mehr ober »eniger nahe 23erwanbte, unb 
felbft für bie eigentümlichen ©attungen finbet man gewöhnlich 
leicht bie gamilie auf, iu »eldhe fie gehören. Ülnberä ift e§ mit 
ben @infd)tftffen ber paläogoifchen ©duckten. Jpiet fieht mau 
fich in eine gang frembe Söelt oerfefct. 23ei oieleu ber Sl)ier» 
unb ^(langen formen erfennt man auf bcu erften S3lid uidht 
einmal bie gamilie ober Orbnuug, in »eiche fie unter ben le= 
benben einguorbneu finb, unb erft bei mübfamer gorftuugunb 23er* 
gleidjung gelingt e3, bie entfernte 23er»aubtid)aft gu ermitteln, 
in »elcher fie gu gönnen ber Sejjtwelt fiebert. 5) er 2lrt (spe- 
cies) nach finb fie ohne 2(itSnal)me »on ben jejd lebenben 
$h«ren unb (Pflangen oeridneben. gafjt man bie ©efammtheit 
ber au$ beit ©d)id)ten ber paläogoifchen gormation bisher be* 
fannt geworbenen fofjilen Organismen in§ 2luge, fo treten im 
23ergleich mit ber lebenben Schöpfung fogleid) einige gang auf* 
fallenbe allgemeinere Unterfcbiebe beroor. 23on ben oier grefjeu 
Abteilungen ber SBirbelt^iere , »eldje in ber ©egenwart über 
alle Slheile bet ©tbe oerbreitet finb, fehlen bie Säugetiere unb 
23ögel burcbauS. (Die (Reptilien ober Amphibien weifen einige 
fpatfame gormen auf unb nur bie gifdje finb in größerer Bahl 
ber Arten unb gormen oertreten. (Die glora ber paldogoifchen 
Beit wirb faft auSfchliefjlich bureb crpptogamifche 23 (langen ge* 

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8 


bilbet. Seetange, garrenfräuter, 33ärlappartige fangen (Sttco* 
pobiaceen) unb ©cbaditelhalme (Cfquifetaceen) finb bie net* 
herrfdjenben ^flangenfotmen. ©agegen fehlen bie ©icotplebonen 
nod» gang, b. i. alle bie fPflangenformcn, welche ben £auptbe* 
ftanbtheil unferer gegenwärtigen glora augtnadjen, alte £auFf)olg= 
bäume unb bie meiften Sonnen ber frautartigen $)flangen. 3n 
bet glora be§ ©teinfohlengebirgeg ift biefer ^ecf)ft eigentümliche 
@hatafter bet paläogeifeben s ]}flangenwelt am beutlichften au8ge= 
prägt. 3n ben bie Ädjlcnflctje gunädjft einfchlieffenben ©dnefer= 
thenen unb ©anbfteinen fiixb unS bie fangen biefer not^etr= 
febenb ctpptogatnifdjen glora gum Sljeil »ortrefftief» erhalten, 
©ie Äohlenfleije felbft finb Anhäufungen fctd'er fPflangen, meiere 
in feuchten , bem SJieere benachbarten 5ftieberungen |nadj Art bet 
fpflangen tn unferen ©otfmooten wuchfen, nadf bem Abfterben ftd) 
über einanber ablagerten unb nadlet burefe ©ruef unb (angfatne 
chemifdie Betfe^ung fief» atlmä^Iid) in bie homogene fteinartige 
SJiaffe nerwanbelten , welche wir ©teinfohle nennen. 

3ft nun fd»on bie 2h' et = unb §)flangenwelt ber paläogoifchett 
germation überhaupt Bon berjenigeit bet 3etgtweli weit abweicbenb, 
fo ift biefeg bei ben CrganiSmen ber älteften Abtheilung ber 
gormation, ber ©ilurifchen in noch höh^m 9Raafie ber galt, 
äöir werben biefe foffile glora unb gauna ber ©ilurifdäen 
©Richten, foweit e8 ohne bie 58orau8fetjung fpecieller goologi* 
fc^er unb botanifdfer Äenntniffe möglich ift, etwas näher gu be= 
trachten haben. 

2Ba§ gunächft bie ^flangen betrifft, fo finb 9tefte berfelben 
im (langen nur fpatfam in ben ©ilurifchen ©dh»icf»ten oerbreitet 
unb meiftenS auch unooüfommen erhalten. 6§ finb gucoiben 
ober ©eetange. Alle 9ta<hforfd)ungen nad» ©teinfohlenflöfjen in 
ben ©ilurifchen ©(hinten finb biet»er erfolglos gewefen. ©>a§ 
SBadjSthum ber ©eetange ift nicht non bet Art, um foldje uti= 

CT6J) 


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9 


geheuere unb gleichartige Anhäufungen oegetabilifchen Steife 
gu ergeugen, wie fie burdj ganbpflangen heroorgebracbt »erben, 
bie in feuchten Ofiebetungen wachfenb unb abfterbenb fidt nach 
Art bcr fangen in unferen Storfmooren burch lange 3eitraume 
i’tbereinanber ablagern. 3)a§ entfchiebene gehlen oon i'aubpflangen 
in ben Siturifchen Schicht«« fteht im @inf lange mit ber völligen 
Abwefenheit non ganbthieren. 33eibe3 läfjt mit Sidierheit 
fdhlie§en, bah fefteS 8anb noch gar nicf>t ober becb in ungleich 
geringerer Aubbehnuug , al§ bei ber gegenwärtigen Verkeilung 
een äSaffet unb 2anb auf bet (Srbe oorhanben war. ®a bie 
ben (Srbförper umgebenbe SBaffetmenge gu allen Seiten biefelbe 
gewefen fein muh wie heute, 1« begrünbet jene Annahme ben 
»eiteren Schluff, bah bie burcf>fc^nittlich»e Siefe beö füleereö ba* 
mal§ eine geringere »ar, al$ gegenwärtig, wo fo bebeutenbe 
SEheile ber (frbcbet fläche über bem $Dteere§fpieget liegen unb gum 
2h«H 3« groben flöhen über benfelben ficE> erheben. 3n ber 
SEh«t beuten auch oetfchiebene Verhaltniffe ber Siluriichen gauna 
unb im befcnbcren bie weite Verbreitung ber Silurifchen Jto= 
rallenbanfe auf eine geringe SJteereätiefe. ©a noch fein geftlanb 
oon gröberer Außbehnung oorhanben »ar , fo fann auch bie Ab* 
wefenheit oon Süfswafferbilbungen in ber 3teil)e ber Silutifdien 
Ablagerungen, wie fie untergeorbnet unb lofal in allen jüngeren 
germationen oorfommen, nicht befremben. ©enn jebeö Süh= 
»afferbecfen , aus welchem ficf> 9iieberf<hlüge mit Steffen ton 
Süffwafferthieren bilben fönnten, fe^t natürlich eine Umgebung 
coit geftlanb, bie e8 oon bem Dcean abfcheibet, oorauS. Schon 
ba8 Steinfohlengebtrge ift gum 2t)eil «i«« Sühwaffer = Vilbung 
unb fcblieht Skalen oon Sühwaffer = SDtufcheln ein. Au8 
Silurifchen ©efteinen finb bisher ebenfowenig bie iRefte oon 
Sühwaffer = Spieren, wie folche oon Sanbthieren befannt ge= 
worben. 

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5Me Vertretung bet äßirbelthiere ift in ben ©ilurifdjen 
®cbid)ten noch unbebeutenber, alö in ben paläogoifdjen ©dachten 
überhaupt, ©ie beic^ränft fidj auf oereingelt oorfommenbe un= 
ooüfommen erhaltene Olefte oon Sifdjen aus ber Abteilung ber 
fPlacoibcn ober Änorpelfifche unb and) uur auS ben oberften unb 
jüngften ©ilurifcheu Ablagerungen fennt man biefe Olefte. Ola= 
ment lieb in ben oberen ©ilurifdjen ©dachten bes meftl icben 
6nglanb8 unb im befonbern ber Umgebung oen Sublow finb feiere 
Olefte beobachtet. @S finb Heine fautn golllange gloffenftacbelu 
unb ünocbenjcbilber ber eigenthiimlidien ©attnng Onchus. 33on 
Oleptilien , Vögeln unb ©äugetljieren l)at fid) bisher in ©iluri= 
fd?en ©djicbteu leine ©pur gefunben. greilidj fönnte man l)ier 
wie in ähnlichen gälten, in benen baö Vorfommen einer Drb* 
nung oon Stirnen in beftimmten ©efteingjd)id)ten geleugnet wirb, 
bie »trage aufwerfeu : 3ft beim bas fehlen biefer Siliere wirflid} 
ficher, weil man bisher feine Olefte berfelben gefunben l)at? 
können fie fich nicht gufäöig ber ^Beobachtung entgogen haben, 
ba man hoch ben paläontologifchen Snhalt ber ©efteinsjdnchten 
nur an oerhältnifjmäfjig wenigen Auffchlufjpunften unb feine£= 
weg§ oedftänbig fennt? Sn ber 3lt>at finb manche Stt)wr=?S'crrnen, 
welche man früher nur in jüngeren ©dachten fannte, feitbem 
auch in liefern unb älteren Ablagerungen aufgefitnben worben. 
Allein in bem oorliegenben Salle ift eine folche fpätere Auffi«= 
bung feht unwahrscheinlich, ba bie ©äugethiere unb Vögel auch 
in ben gmtädjft jüngeren Abtheilungen be§ geichicbteten ©ebirgeS 
bis gur 3ura=Sormation hi« fehlen unb Oleptilien wohl nod) in 
einigen wenigen, feltenen unb unanfehnlid)en fleineu Arten au§ 
ben beiben jüngeren ©nippen ber paläogoifchen Sormation, bem 
©teinfohlengebirge unb ben fpermijehen Ablagerungen gelaunt finb, 
bagegen aud) in ber gangen Oleiljenfotge ber SDeoonijchen ©thich* 
ten bisher an feinem fünfte hoben nachgewiefen werben fönuen. 

(76t) 


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9lidjt minber abweicbenb, alä bie Übertretung bet SSirbel* 
totere ift hn 33ergleicb mit ber lebenben ©d)öpfung biejenige 
ber ©Heberthiere (animalia articulata) in ber ©iütriicben 
gauna. 33cm ben riet Drbnungen berfelben, ben Sfaneliben ober 
Slingelmürmern, ben 3trad»tiben eher fpinnenartigen ©bieren, ben 
Snfeften unb ben (Jruftaceen ober frebbartigen Steteren ^at nur 
bie leiste eine größere ÜBebeutung. ©ie ©ertretung ber 3lnneliben 
befcbrünft ftcb auf gewiffe uuter ben genetifcben ^Benennungen 
Nereites, Nemertites unb Myrianites befchriebene Wurmförmige 
®bbr liefe, beren mirflicbe Sugeliövigfeit gu ben ÜRingelwürmetn 
feinebwegb fielet ift. ©ie Snfeften unb 3!rad)uiben fehlen gang, 
©ab ift im (Sinflange mit ber 3lbmefenl)eit mm ganbtbieren 
überhaupt. 31 u 8 beiben £)rbnungen finben ficb bie älteften 3?et= 
treter erft in ben bie .Kohlenflöze einfcbliefienben ©diiefertbonen 
bes ©teinfohlengebirgeb. Snfeften, unb namentlich folcbc aub 
bet Familie bet ©ebaben (Blattidae) fennt man aub »erf (hiebe* 
nen Äoblenbecfen unb namentlich benjenigen non ©aarbritefen 
unb non Stettin unb Söbefün bei JpaUe a. b. ©. (Sine beut* 
liebe ©pinne ift erft in ben lebten Sabrett aus bem ©teinfof>len* 
gebirge Dbetfcblefieub befebrieben loorben. ©ie ?lrt wie bie allein 
in größerer £äufigfeit rerbanbeneu (Sruftaceen rer treten finb, 
ift auep f e h r eigentümlich. ©ie ©ecapoben, bie twpifchen §or* 
men ber Ärebfe, welche man twrgugbroeife alb foldje begeiebuet, 
fehlen burchaub, bie Sangfcbwanger ober ÜDtacruren , beren be* 
fanntefte Snpen ber gewöhnliche glufjftebb unb ber Rümmer 
finb, ebenfo wie bie Äutgfchwanger ober ©rad)Mtten, gu benen 
ber gewöhnliche Safchenfcebb ber SRorbfee gehört. Siucb bie iibri* 
gen 3Urfbeilungen ber jef3t tebenben (Sruftaceen ftnb faum ober 
gar nicht »ertreten. ©agegen ift eine eigentümliche in ber 
©egenwart oöUig erlofdjene Familie ooit frebSartigen Sh’ 61 ™ 
in einer foldfen ÜJtannichfaltigfeit mm formen unb in einer fol* 



12 


foldjeit Sülle oon Snbieibuen entroicfelt, baff baburd) für bad 
Sel)(eu ber anberen Slbtheilungen ber ©ruftaceen, fowie für bad= 
jenige ber 3nfeften unb Slrachniben gewiffermajjen ©tfajg geboten 
ift. ©a8 fiitb bie nadi ber mel)r ober minber beutltcb audge= 
fptodteuen ©reilappigfeit be8 .ftörperg benannten ©rilobiten. Stur 
bas fyornig talfige 5Rücfenfd>ilb biefer Spiere l)at fid) erhalten. 
3wei über bemfelben oetlaufenbe mefyr ober minber tiefe Sängd* 
furd)en trennen einen mittleren Sdjeil oon ben beiben ©eiten* 
theilen unb bewirten fo ba8 breilappige Slnfehen beS Körpers, 
welkes bie Benennung oeraula§t hat. 3m Uebrigen geigt [ich 
biefeö ©djilb au8 brei fpaupttheilen gufammengefeht, bem .Hopf* 
fhilbe, bem Stumpf unb bem ©chwangfchilbe. ©ag gewöhnlich 
halbfreigförmige Äopffdjilb trägt gwei fpmmetrifd) geftellte oor* 
ragenbe Singen , welche metfteng nad) Slrt ber 3nfeften=Slugen 
aus gasreichen Sacetten gufammengefeht finb. ©er Stumpf ift 
nid)t wie baS Äopfjdjüb ein einziges ©tücf, fonbern befielt and 
mehreren auf einanber folgenben unb gegen einanber beweglichen 
gleichartigen ©liebem ober ©egmenten. ©ie Sßerfchiebbarfeit 
biefer Stumpf=@egmente mad)t eine Krümmung unb ©ütroUung 
beS Äörperg, wie wir fie bei ben ÄeUeraffeln beobachten, möglich, 
©ie 3aS ber Stumpf =©egmente ift bei ben oerfefiebenen 
©attungen fet)r üerfdjteben unb fchwanft überhaupt gwifchen 

9 

2 unb 29. ©a8 @<h»angf<hilb ift bagegen wiebet ein eingiged 
ungeteiltes ©tüd oon gewöhnlich l)albtreiSförmiger ©eftalt. 25 ie 
gewöhnliche ©töfje beS gangen Äörperg beträgt gewöhnlich nicht 
mehr als 1 big 2 3dl. ©8 giebt aber auch Wirten, welche übet 
einen §h& in ber Sänge meffen, wie namentlich folche ber <55at= 
tungen Paradoxides unb Asaphus. Stabererfeitg fommen feht 
Heine geraten oor f welche faum ©rbfengröfje erreichen, wie na= 
mentlid) Sitten ber ©attung Agnostus. ©ie 3ahl ber überhaupt 
befannten Sitten ift fefjr gro§. SJtan fennt mehrere Ijunbert oer= 

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13 


fdjiebene Slrten aitS ben Silutifcben Sd)id)ten Söh™en$ unb 
eine ebenfo gro|e Babl non butchgängig »erfd)iebenen Sitten ift 
au8 ben Sfanbinaoifchen £änbent befannt. 35teiften8 treten bie 
Sitten gefeHig in großer 3af)t bet Snbiuibuen auf unb gewiffe 
Silurifd)e Schichten ftnb gang mit ütrilebiten erfüllt. 2>ie Sln= 
fisten übet bie gDologifcfie Stellung biefer merfwürbigen Spiere 
haben fid? fefyt allmählich eutwidelt. ©d)on »erhältnifsmähig früh 
hat fid^ ieDod? bie Uebergeugung non ihrer Bugehörigfeit gu ben 
©liebertljieten feftgefteUt. Sei bet beutlidjen ©lieberung beS 
.Körpers unb bent Sothanbenfein fpmmetrifch gefteüter gujammen» 
gefegter Singen tonnte mau fid) biefer Uebergeugung and) nicht 
wohl entgiehen. Snnerbalb ber klaffe bet ©fiebert l)iete finb eS 
aber offenbar bie ©ruftaceen, gwifchen welche fie ftd) am paffenb» 
ften einreihen laffen. Schwieriger ift bie Stage, in welche 2lb= 
fheüung ber ©ruftaceen fie gehören. Sei einet Sergleidjung 
mit ben oerfchiebenen Sormen ber lebenben frebSartigen Jbiere 
erfenut man halb, bafj fie mit feiner berfelben gang übereinftim» 
men. SKan gelangt gu ber Uebergeugung, bafj bie Strilcbiten 
eine in ber Setjtwelt oöDig erlofcbeue Sfötheilung bet ©ruftaceen 
barfteOen. ©ine gewiffe Serwanbtfdjaft befteht allein .mit ben 
93 t)ÖÜopoben, beten bebeutenbfter Sertreter ber Apus cancrifor- 
mis ift, ein im ffrühjahre in SSaffertümpeln guweilen in großer 
^äufigfeit erfd)einenbe8 mel)t als 1 Bott langes 5U)ier. S)ie 
hoppelten großen Singen, baS Seelen ber fühlet unb bie weiche 
hantige Sefdjaffenheit ber Süf)e begrünben »orgugSweife biefe 
Setw anbtfdhaft. 2)afj bie §üfje ber Srilobiten weid) waren unb 
einer feften Sdjalenbebecfung entbehrten, ergiebt fid) mit Sicher» 
heit aus bem Umftaube, bah fid) niemals auch nur eine Spur 
ber güfje erhalten gefunben ^at. 55 aff übrigens bie Srilobiten 
mit feiner ber lebenben ©ruftaceen^ormen gang gu »etbinben 
finb, wirb fchon butd) ihre geologifche Serbreitung beftimmt 

. ( 76 ?) 


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14 


angebeutet. 3n ben ©ilutifcfeen ©cfeicfeten haben fie baS Sftajri* 
mum iferer ©ntwicfelung mit Dielen buttbett, tu mehr als fedfegig 
©eicfelecfeter oertfeeilten Sitten. 3n ben ©eoonijcfeett @efteinen 
finb fie fcbon fel?r Diel weniger häufig, inbem fautn mebt als 
breifeig Arten auS ben ©eoonifcfeen ©cfeicfeten aller Sauber be= 
fannt finb. ©ag ©teinfofelengebirge enblicfe weifet nur ein $)aar 
Heine unb unanfebnli<be formen, bie gu jwei nabe oerwanbten 
©ejdfelecfetem gefeören, auf. ©er ^ermifcfeen ober Becfeftein* 
©tuppe finb fie fcfeon oöUig fremb unb nocfe weniger ift in ben 
Ablagerungen ber jüngeren Formationen jemals eine ©pur ber* 
felben beobachtet worben. SJtan fennt nun aber fein ©eifpiel 
in ber geologifcfeen SJerbreitung otganifcfeer Äötper, bafe eine 
Familie oon ©feieren ober 4 J) flanken , welcfee ttacfe einer längeren 
ober fütgeren SebenSbauer in einer beftimmten Formation erlifdfet 
in ben ©efteinen einer jüngeren 9>eriobe ober in bet 3efetn>elt 
wieber aufträte. Sielmefer ift baS tegelmäfeige Serfe alten butcfe* 
au§ baSjenige, bafe eine Familie oon ©feieren ober ^ffangen juerft 
mit einer befcferänften Angafel oon Arten in einer beftimmten 
Formation erfcfeeint, bann in ben näcfeftjüngeren SBilbungen mit 
einer gtpfeen Bafel oon Arten ben Jpöfeepunft ifeter ©ntwicfelung 
erreicht unb enblicfe in einer no<fe jüngeren Formation, nacfebem 
bie Bafel, bet Arten ficfe allmäfelicfe oerminbert feat, gänjlicfe Der* 
fcfewinbet. ©o finben ficfe j. 25. bie älteften fRefte ber ©nalio* 
faurier, b. i. ber meerbewofenenben ©autier mit floffenäfenlibfeen 
23otbetfüfeen, beten befanntefte 23ertreter bie ©attungen Ichthyo- 
saurus unb Plesiosaurus finb, in ber ©riaS* Formation, bann 
in ben Ablagerungen ber 3ura*Formation erreicfet bie Familie 
ben £öfeepunft iferer ©ntwicfelung, um enblicfe mit bem ©nbe 
ber ,$Teibe*iperiobe, nacfebem bereits bie Bafel ber Arten unb 3n= 
bioibuen ficfe allmäfelicfe bebeutenb oerminbert feat, fo ooHftänbig 
gu erlöfcfeen, bafe in ber ganzen Aufeinanberfolge ber tertiären 

( 768 ) 


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15 


Ablagerungen auch nicht eine Spur betreiben bisher gefunben 
würbe unb noch oiel weniger in ben Sfteeren ber 5 e|twelt irgenb 
ein baju gehöriges Sbier gefannt ift. 

Obgleich nun bie Srilobtten einen wichtigen Veftanbtheil 
ber ©ilurifdien Sauna hüben, fo finb fie hoch im Allgemeinen 
nidit bie tmrfyertfdjcnben erganifchen gormen bet ©ilurifd'en 
gauna. SDiefeß finb oielmehr bie Refte »on SRollußfen ober 
©cbalthieten unb non ÄoraHen ober Ant^ojeen. SDaß ift frei* 
(ich in Ueberinftimmung mit bem paläontologifcheit Verhalten 
aller anberen Sermationen unb erflärt fid) gum Slheil auß bem 
Umftanbe, bafj ©djaltbiere in ben feften faltigen Skalen unb Äo* 
tallen in ben fteinartigen ©töcfen Äßrpertheile hefigen, welche 
für bie Csrijaltuitg im foffilen Buftanbe »orjugßweife geeignet 
finb, wci^renb Siliere non gang weichem fleifchigem ober gatlert= 
artigem Körper, wie 3 . 33. bie Quallen ober SRebufen, natürlich 
fid) nicht erhalten fomtten nnb nur gang außnahtnßweife, wie 
3 . 33. eingehte SJlebufen in ben juraffifchen Äalfjcbiefern oon 
©elenbefen tn 33aiern, unbeutliche Abbrücfe it)reö ÄörperS in 
bem ©eftein guntcfgelaffen haben. SDie Vertretung ber 93iot= 
lußfen in ben ©ihm]' eben ©dachten ift übrigens eine 

gans eigetuhümlicbe unb oon berjenigen in ber Sefetwelt 
auffaöenb abweichenbe. ©eht man an bem ©eftabe eineß unferer 
heutigen üfteere unb fammelt bie ©cbalthiergehäufe , welche baß 
9Reet aufgeworfen hat, fo gehören biefe butd)auß oorhetrfchenb 
nur 3 Wei oerfd)iebenen Sermen an. @8 finb nämlich theilß 
einfchalige in fonifeber ©ptrale aufgerollte ©ehneefengebäufe, 
theilß au 8 gwei gleichen Hakenartigen ©tücfcn beftehenbe 
SJtufcbeln. SDie Qtbnung ber SRoUußfeu, benen bie erfteren 
angeboren, finb bie ©aftropoben ober Sauchfüfjlet , fo ge= 
nannt, weil baß Shiet auf fleifchiger, ber Unterfeite beß SRumpfef 
angefügter ©ot)Ie fried)t, wie bie ebenfalls bahin gehorenben 

( 769 ) 


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16 


©dmecfen unferet ©arten. Sie Spiere, non benen bie gtnei* 
Happigen SKufcfyeln t) er rühren, »erben non ben Biologen in ber 
Drbnung ber Samellibrandjiaten übet Vlattfiemer gu* 
fammengefafjt, ba bie SUtymungßorgane in bünnen blattförmigen 
Sappen hefteten. Sie Sluftern, wie bie in unferen ^liiffen unb 
Sanbfeen lebenben SKalermufdjeln gehören auch in bie je Slb- 
tfyeüung. 

Surdjauß nerfdjieben mar bie Vertretung ber SJicUußfen in 
ben SOieeren ber ©ilurifdjen ©podje. Sie ©aftropoben ober 
©djnedfen unb bie Samellibrandiiaten ober Söhifdjeln fehlten nid)t 
ganj, aber waren nadj Bald ber Wirten nnb ©attungen burdjauß jmei 
anbcten Drbnungen, ben ©epfyalopoben unb Vradjiopoben, 
untergeorbnet. Sie nadj ber ©tettung non armartigen auch bet 
Bewegung bienenben ©reiforganen am Äopfe benannten ©epfya- 
lapobett ober Äopffüfjler , bie burd) iljre ganje Drganifation alö 
bie Ijödjft ftefyenbe Drbnung ber SOlollußfen begegnet finb unb 
fid) burcfc gewiffe SJlerfmale fogat fdjon ben Söirbeltfyieren nähern, 
begreifen bie beiben großen ©ecticnen beß ©epienartigen ober 
nacften unb ber gefammerten ober Vautilußartigen (Sepfyalopoben. 
Sie erfteren, beren Stppuß ber Sintenfifd? (Sepia officinalis) 
ber europcüfdjen SDleere ift, beftjjen fein baß Silier non aufjen 
bebecfenbeß unb einfc^IiefeenbeS ©eljaufe, fonbern pöcbfteng ein 
einfadieß falfigeS ober fyornigeß in ber Sitfe beß SöiantelS 
ftecfenbeß ©djalftficf, baß bei ben Sintenftfdjen bet ©epienfnodjen 
fyeifit. Söei ben anberen, beren Sppuß ber tm Snbifcfcen Dceane 
lebenbe Nautilus pompilius, „baß ©djiffßboot" ber 6onci)plien= 
©ammter ift, umfd)(ie§t ein im Snneren burd) Quetfdjeibetnänbe 
in Kammern getljeilteß unb non einem 9lernenftrange (Sipho) 
burcfygogeneß fommetriicb fpiraleß ©efyäufe bie Söeicfytbeüe beö 
Styereß. Von biefen beiben Stbt^eilungen ber ©eptjalopoben 
penfcben in ber Befctmelt bie nadften ober ©epienartigen 

Oto) 


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17 


butdjauß vor. 3 h gasreichen ©attungen unb iu hunberten von 
Stilen finb fie über ade ©teere verbreitet. ©ie gefamuierteu 
©ephalopoben bagegen finb allein burdj ein paar auf eine ge= 
wiffe ©egenb beß 3ubijcben Dceauß befchrünfte Sitten bet (Gattung 
©autilue vertreten, ©ang entgegengefe^t war baß Verhalten ber 
beiben Slbt^eilungen in ber ©ilurifcben ©poche. 25 ie naeften 
6ef>l)alepoben ober ©epieu fehlten nod? gaug. .Reine ©pur eineß 
folgen faltigen ober dornigen ©cpalftücfß, wie fie bie nieiften 
lebenbeu ©attungen befifcen, ift jemalß in ©üurifchen ©efteinen 
beobachtet. ©agegen waren bie gefammerten ©ephalopobeu in 
gasreichen ©attungen unb iu fpunberten von Sitten vertreten. 
ä$ot aßen ift bie ©attung Orthoceras wichtig, beten ©ehäufe 
eine getabe geftreefte, im Snneren burd) SDuerfcheibewäube gc= 
theilte ftabformige 9töhre barfteßt. Sluß bem nur wenige ©lei* 
len langen @ilur=S3etfen iu ber Umgebung von ©tag finb burd? 
Sarranbe übet 400 ver|d)iefcene JDrthoceren befc^rieben worben 
unb gewiffe in Schweben unb Utufßanb weit verbreitete ©iluri= 
fd)e ÄalffteinfchicSen finb mit ben gum mehrere §ufj 

langen ©ehäufen von einigen Sitten ber ©attung in foldjer 
£äuftgfeit erfüllt, ba| man fie nach benfelben alß ßrthoceren* 
Äalf begeid)net. 

©ie Srachiopoben ober Berebratebäbulichen ©loßußfen finb 
auß bem gewöhnlichen Beben nicht befannt. ©tan finbet ihre 
©dialen nicht, wie biejenigen ber Bameßibranchiaten ober eigent= 
lidjen ©tüfteln am ©ieereßufer, benn bie wenigen, and? meb 
ftenß fleinen unb unanfehnlidjen Sitten bet Soweit leben in 
bebeutenber Sltefe , biß gu welchen bie butd? ©türme h et5 
vorgerufene SBeßcnbemegung beß ©leeres nidt)t reicht. ©ie &o= 
rallenfifchet beß ©iittelmeereß giehen guweilen feftfifceub an ben 
rothen Äotaßen eine Slrt ber tppifdien ©attung Serebratula 
(T. vitrea) hot vor. ©aß ift eine goßgtofje fugelig aufgeblähte 

IV. 82. 2 (Hl) 


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18 


9Jhtid>el oon wettet burd^fc^eraenber ©dalfubftanj. ©ie beiben 
Mappen bet ©djale finb Bon ungleider ©tofje. ©ie größere 
Mappe überragt bie anbere mit einem übergefrümmten fcbnabel* 
artigen ^ortfa^e; biefet ift an ber ©pifje burdbohrt unb bient 
für ben ©urdjtritt eines faferigen, dornigen 33anbeS, mit t»el* 
dem fidj baS ST^ier an frembe Äörpet befeftigt. SSergleidjt man 
nun biefe @dale mit ber ©c^ale eines ©ondnlS auS ber Drb= 
nung ber Üamellibrandtaten ober eigetttlidien 9Rufdeln, 3 . 33. 
mit einet .fferjmufdel (Cardium) ober einer 33enuS=5Rui(f)et 
(Venus); fo erfennt man balb, obg(eicf) beibe gleidflappig , hoch 
fet)T beftimmte tlnterfdiebe. S3eibe ftnb fpmmefrifd unb eine 
©bene trennt fie in jtnei gleiche Hälften. 'Iber bei ber .per 3 = 
mufdel ober ber a3enu8=üRufdjeI ift bie tfeilenbe ©bene bie 
f^Xad^e, in melier fid bie beiben klappen Bereinigen, fo baf? bie 
rechte Etappe bet regten Hälfte beS Stieres, bie liufe Mappe 
ber linfen Raffte beS T^tereS entfpridt. 23ei ber Terebratel 
bagegen geht bie T^eilungSebene burd bie ?öiitte ber beiben Map* 
pen unb bie eine ber beiben Mappen entfpridt ber JRücfenfeite, 
bie anbere ber SBaudWte beS TijiereS. ©iefeS eigentümliche 
@pmmetrie=@efeh ift alKt SSradiopoben gemeinfam unb läfjt ihre 
©dalcn and ohne Äenntnif) ber SBciddeile beS Triers fofort 
auf ba§ beftimmtcfte non ben eigenttiden Sftnfdeln unterfcheiben. 
3 n allen früheren gerieben Ijaben nun biefe Sßradiopoben eine 
ungleid größere ©nttnicfelung , als in ber Setjtwelt gehabt unb 
fte gehören ju ben midtigften £eitfoffilien für bie ©tlennung ber 
Formationen unb ihrer einzelnen ©lieber. 3 « feiner Beit hatten 
fie aber im ffiergleid 3 » ben übrigen JDrbnungen ber fötoUuSfen 
eine folde Sebeutung, als in ber ©üurifden ©pode. Rimberte 
oon Sitten finb burd bte einzelnen Ibtl)eilungen ber ©ilurifchen 
©nippe Berbreitet, unb wenn fie in ber geringen feiten mehr als 

einen 3 oH betragenben ©röfje hi ntet ben mädtigen ©ehäufen ber 
fr») 


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19 


gefammerten ©epfyalepcben jurutfiteben , fo liefert bie ftitlle bet 
Snbioibuen, mit welcher fie erfctieineu, gewiffermafjen ©rfafj für 
bie geringen 25imenfionen ber ©diale. SDie (Gattungen Orthis 
unb Leptaena finb »orjugämeife artenreiche unb allgemein oerbret* 
tete ©efcfelecbter ber ©iturifcben Beit. 

fRädjft ben SJioüuSfen ober ©dfaltbieten bilben , wie früher 
bemerft worben, bie Äorallen ober Slnt^ojoen ben ^>auptbeftanb= 
t^eil ber ©ilurifcfyen ^auna. S3efonberß in ber CDiaffenbaftigfeit 
ibreö gefelligen Sluftretens ftebeit fie allen anberen organifeben 
ßinfdliiffen ooran. fDRäcfitige Äalffteintcbicbten befielen faft au 8 * 
fd)lie§lid) au 8 biefit ^ufammengebäuften Äorallenftccfen, bie an 
berfelben ©teile gelebt unb Äorallenbänfe nadi 3(tt ber ÄoraUen 
unferer tropifdjen fDleere gebilbet hoben muffen. 3(uf ben erfteu 
SBlicf weiten aud) bie formen berfelben nidjt fo fe|r oon ben 
jefjt lebenben ab. ©e giebt einfache auö einer einseinen freifel* 
förmigen Belle beftefyenbe Sarnen oon bet allgemeinen ©eftalt 
ber fefjt lebenben ©attuugen Caryophyllia unb Turbinolia unb 
anberer Settel baumartig oeräftelte ober rafeuförraig maffige 
©törfe oon bem ^»abituö ber lebenben fötabreporen unb iSftraeibeu. 
Allein bei näherer Untertucbung jeigert fid? tiefgebenbe Unter* 
fd)iebe bet Organifation. ©o finb 3 . 53. bei ber fyertfdjenben 
gamilie ber ©patbophpHtben mit ber topifcheu ©attung ©tiatbo* 
pbpHum bie ©ternlamellen ober rabialen (entrechten ©djeibewänbe 
im 3 nnern ber 3 eHen nicht auf 6 ©tuppen ober ©pfteme 311 = 
tücfyufübren , fonbern (affen ftetg nur oier folcber ©ofteme er* 
teonen. ©tnjelne ©attuugen finb aud} fepon burd) auffaöenbe 
äußere ÜJletfmale oon allen lebenben formen auSgejeicbnet. 25a* 
bin gehört namentlid) bie Äettenforalle (Halysites), bei welcher 
auf bet Dberfldcbe beö guweilen fufjgrofjen, tafenförmigen Äoral* 
lenftoefts bie Reinen ooalen fUlünb ungen ber langte brenförmigen Bel* 
len wie bie ©lieber einet .Rette aneinanbet gereiht finb. 25a 

2 * ( 773 ) 


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20 


btcfe ©attung nicht einmal big in bie ©eeonifcben Schichten 
hinanfteigt, fonbern augfdjlie&lidj auf baß ©iltmfcbe ©nftem 
fi<h befcbränft, fo ift ftc bei ihrer auffaUenben Form ein befon= 
betS wichtiges Seitfoffit beffelben unb befenberS muh Haly sites 
catenularia, bie genjc^ulic^fte unb am roeiteften oerbreitetc 4trt 
als foldjeS gelten. 

3u ben $)olopen ober Korallen werben gewöhnlich audj 
bie ©raptoliten gefteOt. 3Da8finb eigentümlich lineatijcbe fleine 
Körper, welche an einer ober an beiben ©eiten mit fägegähnat* 
tigen Borfprüngen »etfehen finb. SRnmentlich auf ben <Spal= 
tungSfläcfeen fd)iefriger ©efteine liegen biefe fhmalen , meiftenö 
ftad) gufammengebrücften .Körper pon b»rnartiger fehwarget ©ub= 
ftang wie Strohhalme in bitter Bufammenhäufung über einanber. 
3n Setreff ihrer joologifdien Stellung finb febr cerfdnebene 2(n= 
ficbten aufgeftellt. ©inige b a ^ en f*c mit ben ©eefebern ober 
$>ennatulinen ber feigen SReete unb namentlich mit ber ©attung 
Virgularia fetglidjeu. Slnbere fteKen fie in bie Serwanbtfdbaft 
ber ©ertularien. Mein feine biefer Slnnähetungen befriebigt bei 
näherer Prüfung. S)et Umftanb, bafj in feiner ber jüngeren 
Formationen ähnliche Körper gefannt finb, läfjt oon Beruhet ein 
an ber näheren Berroanbtfdjaft mit lebenben Fsttnen gweifeln. 
Slber webet bie Unficherheit ber joologifdjen ©tellung, noch bie 
meiftenS fehr unooDfommene ©rhaltung beeinträchtigen bie pa= 
läontologifche SBichtigfeit ber ©raptoliten für bie Kenngeichnung 
ber ©ilurifdjen Schichten. 2Bo man fie antrifft, ba ift man 
ficher, ba§ man fi<h in bem Bereiche ber ©ilnrifchen ©d}id)ten= 
reihe befinbet, benn niemals finb fie in ©eoonifdjen ober gar in 
noch jüngeren ©efteinen gefehen worben. SJtan fennt fie aus 
ber ©egenb oon §)tag, bem ©ä<hfifd»en SSogtlanbe unb aus 
@d)lefien ebenfowohl wie auS ©darneben, 9t or wegen unb <5ng= 

lanb, auS bem ©taate 9tew=^or! unb auS ©anaba wie auS 

<m> 


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21 


Süb*®uftralien , unb überall finb fie in ben Schichten, in wel* 
eben fie auftreten, Don anbeten Silurifchen §>etrefacten begleitet. 

Gnblidi bilben auch noch bie 9lefte Don Stachelhäutern 
ober Gchinobermeit einen wichtigen ©eftanbtheil ber Siluri* 
fcheit Sauna. ©ie 2lrt, wie biefelben hier oertreten finb, ift frei* 
lieb auch lieber eine Don ber gegen trarti gen fe^r oeffchiebene. 
Sßon ben oier Drbnmtgen, in welche bie Gchinobermen jerfatlen, 
ben Gcbiniben ober Seeigeln, ben 'Metiben ober Seefternen, 
ben Grinoiben ober ^aarfternen unb ben ,£olothuriben ober See* 
waljen, finb faft allein bie Grinoiben entwicfelt. ©ie Gchintben, 
welche in ben jüngeren Formationen unb in ben ©leeren ber 
3e|twelt eine io grofje Sormenmannidjfaltigfeit aufweifen , fehlen 
faft gang. fBon Sfteriben fennt man eiuige wenige feltene ®r* 
ten , welche in ber allgemeinen Form Don lebenben nidit iebr ab* 
weichen, ©ie .fwlothuriben finb nach ihrer wetten ät'orperbe* 
fchaffenheit für bie Grljaltung im foffilen Buftanbe überhaupt 
nicht geeignet unb fehlen baher hier eben fo, wie in ben jüngeren 
Formationen, ©ie Grinoiben leiften für baS Sehlen ober, bie 
fchwache Gntwicfelung biefer Ütbtheilungen reichlichen Grfafj. Bu= 
nächft finb fie burch eine grofje 2lnjal>l Don Wirten auS ber fSb* 
theilung ber tppifdeen Grinoiben , bei welchen ber bie äöeidrtheile 
beS Shiers umfchliehenbe Aelch nach oben in grofje alb ©reif* 
organe bienenbe 9lrme fidi fortfetjt unb gu welchen ebenfo ber 
bisher uut in wenigen Gremplaren befannte Pentacrinus caput- 
Medusae beS SBeftinbifchen ©leere? wie ber Encrinus Kliiformia, 
ba? i*eitfoffil beb ©eutfdhen ©lufdcelfalfS , welches burd' einen 
gierlichen btumcnfneSpenäbnlichen Äeld) fchjon früh bie fKufmetf* 
famfeit ber Sammler auf fich jog unb Don ben älteren Autoren 
als oerfteinerte Seelilie aufgeführt würbe, gehören, ©efonbetö 
bie Silurifchen Äalffdjiditen ber ©egenb Don ©üblen in Gnglanb 
unb ber Schwebifchen 3nfel ©othlanb haben fdjön erhaltene Ä eiche 

(T75) 


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22 


foldjer formen geliefert. Ülufjerbem fd)lie§en bie Silurifchett 
(Schichten auch noch bie .Reiche einer fetjr eigentümlichen unb 
itt ber Sejjtweli oeHig erloicbenen ftbtheilung »on ©rinoiben ein, 
welche butdj bie tugelige gern beß .Reiches nnb uotjugß weife 
butd) bcn Mangel beutlid)er 'Jlrme fid> auöjeidjnen. Saß finb 
bie©\>fttheen mit ber tppifden Gattung Echinosphaerites. Sie 
wallnufp biß apfelgrefjen fngeligcn Welche beß Echinosphaerites 
aurantium erfüllen in bichter 3ufammen^änfung gewiffe Silurifdje 
jtalffcfyidftcn, in Schweben , Storwegen unb fRufjlanb. Uebrigenß 
fehlen bie ©nftibeen nidjt nur in ber Sefcroelt, fonbern auch in 
allen jüngeren Formationen, unb felbft in bcn auf bie Silutifchen 
junüd)ft folgenben Seoonifchen Sdiichten jucht man fie Pergebens. 

Saß finb in aphoriftijdser .Rür^e bie |>auptjüge beß organi* 
fd)en ?ebenß währenb ber Silurijcben 3eit. Sie genügen, um ben 
fdjneibenben ©ontraft, in welchem bie bamaligc Sebenßwelt $u bet ge= 
genwärtig bie ©rbc bewohnenben ftanb. Siefer ©ontraft geigt [id> 
theilß in bem Fehlen ganzer grofcer Abteilungen oon SLhieren unb 
^flaujen ber 3e6twelt, wie bet SBirbelthiete mit Ausnahme ber 
Fifche, ber ‘Jnjeften, ber eigentlichen .Rrebfe, ber monocotplebo* 
nifchen unb bicotnlebonijcben fP flauten u. f. w., tl)eilß in bet 
reichen uitb maunidhfaltigen ©ntwicfelung, mit welcher gewiffe in 
ber ©egenwart nur nod) fchwadt unb fümmerlid) oertretene Ab= 
thetlungen doh Schieren erfcheinen, wie namentlich bie 33radhio- 
poben, bie gejammerten ©ephalopoben unb bie ©tinoiben, tl)eil8 
enblich in ber ©igenthümlidjfeii ganzer Dtbnungen ober Familien 
pon jEh^™! weld'e ber gegenwärtigen Schöpfung butcfcauS 
fremb finb, wie ber Srilobiten, bet ©raptoliten unb ber ©nftibeen. 
Sagegen beftätigt baß Stethalten ber Silittifchen Fauna feine 8= 
wegeß ben auß allgemeinen tbeoretifchen Anfichten gefolgerten 
unb früher ohne nähere 3?egrünbung aufgeftellten Sat? , baff ba8 
erfte organifdhe Seben auf ber ©rbe eiu gauj unPoUfemmeneS, 

(TW) 


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23 


auö beu niebrigften unb einfachen formen beftebenbeö gewefen 
fei. ©enn wenn betfelbe aud) in bem faft »oüftänbigen geilen 
ber an ber @pifje ftehenben SBitbelt^iere eine fdjeinbate Unter» 
ftübung finbet, fo ftefyt ihm bagegen baö Verhalten anberer ©bierflaf* 
fen auf ba8 beftimmtefte entgegen, ©ie fötollueten neunten nach 
ihrer gangen Drganifation unb im 23efonbeten nad) ber SBolllom* 
menbeit ber Sltbmungöorgane unb beß äMutumlaufe fc^on eine 
oerbältuifimäfjig ^obe nnb berjenigen ber SBitbelibiete genäherte 
Stellung in ber tbierifcben Utangorbnung ein. Unter ben £>rb* 
nungen bet SERetluöfen fiub wieber bie (5epl)alopoben ungweifel* 
baft bie ^od)ft ftctjenben. 9iun finb aber, wie d erbet gegeigt 
mürbe, gerabe bie gefammerten ©epbalopoben biejenige Slbtbei* 
lung ber 9JtoUuöfen, ireld;e wäbrenb ber ©ilurifchen Beit not» 
wiegenb vertreten mar unb hier nad} üRannicbfaliigfeit ber @at* 
tungen unb Sitten, wie nad) 3«bi ber Snbioibuen fc^un ben 
Jpöbenuuft ihrer ©ntwicfelung erreichte. Unter ben ©liebet* 
tbieren fiub bie ©ruftaceeu ober freböartigen SL^tece bie coli* 
fommenften. ©ie Srilobiten, welche in fo gtofjet Sülle burcb bie 
gange ^Reihenfolge ber ©ilurifdjen Schichten oerbreitet finb, ge* 
bören als eine in ber Sefctwelt oöUig etlof^ene Slbtbeiluug gu 
benfelben. ©iefe ©eifpiele genügen, um jenen Sab gu wiber* 
legen. SBäre et richtig, fo mufften ©pongien, fPofytbalamien, 
Polocnftinen u. f. t». , fnrg Sbiere ber einfachften unb niebrigften 
Drganifation bie ©ilurifcbe Sauna hüben. Slber melleicht fonnte 
jener ©ab bennod) begrünbet fein , wenn nämlich unter beu nach 
ihrem otganifcben Snbalte biabet betrachteten ©ilurifchen Schich- 
ten noch altere uerfteinerungöfübtenbe Ablagerungen oorbanbeu 
wären, beren SSerfteinerungen fid) vielleicht bisher ben 9tad)= 
fotfdjungen gang ober gum Shell entgogen hätten. Um bie 3u* 
läfftgfeit biefeß ©inwanbe® näher prüfen gu fönnen, wirb man 
bie Lagerung bet ©ilurifchen Schichten unb bie 23efdjaffenbeit 

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24 


beseitigen STblagerungen, welche in ben nerfdjiebenen 8 änbetn ihre 
Unterlagen bilben, näher betrauten muffen. 

Jn 2)eutf<hlanb, wo im ©anjen bie ©erbreitnng bet ©tlu» 
rifdten ©efteine eine befdjränfte ift, ftnbet fid) bie intereffantcfte 
unb nollftänbigfte ©ntwicfelung in Söhnten. ©ie bilben liier 
eine Partie non länglich oraler ©eftaft, beren non @üb=5Jeft 
gegen DRorbcft netlaufenbe ungefähr 20 teilen meffenbe Bangen» 
a<hfe bie 3Jtolbau etwa eine ÜJteile f üblich non f>tag fd)neibet. 
Sind? bicht bei fPtag fieljt man an ben fteilen n erblichen 3:ltal= 
gehangen ber 3Jt eibau unb in ben ©cbluchten , welche fich »on 
bem Jfjrabfdjin hrtabjiehen, überall fchwarje fchiefrige ©efteine 
mit ©raptoliten ju Sage gehen. Sßit fennen biefe böhmifche 
@{lur= 9 )artie nach ihren BagerungSnerhältniffen, ihrer ©lieberung 
in einzelne Slbtltetlungen unb ihren organifdjen ©infchlüffen 
®anf benSfrbeiten non Joachim 58 arranbe genauer, als biejenige 
irgenb eines anberen BanbeS. 5ERit bewunberungSwürbigev 9lu8= 
bauet unb gewiffenhaftefter (Sorgfalt hat biefer franjöfifdhe ©e= 
lehrte, ber als ehemaliger ©rjieher beS ©tafen ©hamborb, beö 
^rätenbenten ber frangofifdjen .frone, mit biefem nach 58 öhmen 
gefommen war, feit 37 Jahren biefe bö^ntifdien ©ilutjchicbten 
unb ihre organifchen ©infdtlüffe untersucht. Jn einem großen 
noch unooHenbeten SBerfe*), welches ju ben ^auptgueKen für bie 
.ftenntnifj beS älteften organischen 8 eben 8 auf bet ©tbe gehört, 
ift bie ffrucht biefer langjährigen Arbeiten niebergelegt. 5ftad) 
Sarranbe bilben bie ©ilurifdsen ©dachten ber ©egenb non 9 >rag 
ein 58ecfen, b. i. ihre ©thidjtenfteKung ift eine folche, bah f>e 
ju beiben ©eiten ber Bängenachfe connergirenb nach ber SJtitte 
jn einfallen. SDie älteften Schichten ftnb baher am Umfange 
ber Partie, bie jüngften in ber SJtitte berfelben 31 t tuchen. ( 5 t 

*) Systeme Sibirien du centre de la Boheme par Joachim Barrande. 
Prague et Paris. Vol. I. 1852, Vol. II. 1867. 

( 77 «) 


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25 


unterfdjeibet in bet ganzen Sd)id)ten reihe fiebert oerfduebene 
Stodwerfe (Etages), bie ftetS in berfelben Slufeinanbetfolge oon 
unten nad) eben angetroffen werben unb oon benen eine jebe 
burcf) eigentümliche organifdfe (finichlüffe begeidjnet wirb. ®a8 
unterfte Stocfwerf wirb burch grünlich fdjwarje 3d)entcbiefer ge* 
bilbet. Varranbe nennt biefelben bie protojoifdjen ©Riefet, 
weil fie bie älteftcn oerfteinerungSführenben Schichten bes VecfenS 
. finb unb bie namentlich bei ben Drten Winel} unb Streu he* 
obachteten organifdjen (fittühlitffe, welche fie enthalten, bilben 
bie fogenannte $>rimorbial*Fanna. @8 finb oorjugSweife Srilo* 
biten, welche nicht blo8 bet 9lrt nach, ionbem ielbft ber Wartung 
nach auf biefe Schichten befchränft finb. 3« biefett Srilobiten* 
■@efdjle<hteTn gehört namentlich bie burch bie grofje Slngaht oon 
Rumpf »Segmenten unb bie Verlängerung ber .piitterenbcn be8 
.fopffchilbeS in lange Jpörner ausgezeichnete Wartung Paradoxi- 
des, beren Shden 3 um $h e ^ fufjgrofj werben. 9luf;er ben Srilo* 
biten tennt man faft nur Vrachiopoben ber Wartungen Lingula 
unb Discina. SDiefe beiben Wartungen finb burdf ben llntftanb 
auSgejeidhnet, bah fie oon bett älteften Beiten burdf bie jwifchenlie* 
genben gerieben bi8 in bie Ucijtwelt fortgelebt hohen. Mehrere 
Sitten oon Lingula unb Discina finb nod) heute Verneinter ber 
wärmeren SJteere. Specififch finb biefe Sfrteu natürlich oon ben* 
jenigen ber Silutifcben Schichten ebenfo oerfchieben, wie biefe 
e8 oon benjenigen aller bajwifdien liegenben Formationen fiub. 
.fein anbete8 Shiergefcblecbt theilt mit Lingula unb Discina eine 
gleich lange BebenSbauer. Unter ben Schiefern oon Wittcf unb Sfret) 
folgt eine oiele taufeub Auft mächtige Reihenfolge oott Slwttfchiefcnt 
unb Wrauwacfenfanbfteinen, au8 welchen trete allen Rachforfdjun* 
gen Verfeinerungen bisher nicht betannt geworben finb. 25iefe 
ajoifchen Schiefer, wie fie Varranbe genannt hot, hohen Witeifj 
unb Wranit b. i. baS froftalUnifche Urgebirge 3 ur Unterlage. 

f7?9) 


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26 


S)a» Vorfommen ©ilurifdjer ©dachten in anbeten ©egenben 
non SDeutfchlnnb ift im Vergleich mit bem böfjmifdjen non unterge* 
orbnetem Sntereffe. Slamentlich ift nirgenbwo wie in Sofymen 
eine größere Slufeinaitberfolge non eingeluen ©lieber« gu beobachten. 
3)aö gilt im Vefonbcren non bem Vorfommen in ©adjfen, in 
bett Sienfiifcbe« gürftenthümern, in bet Saufitj , in ©dilefien 
nnb am £arg. 

2)agegen finb bie uorbifd)cn Sänber tlafftfdje ©ebiete für 
bie Äenntnijs biefer älteftcu »erfteinerungöfithrenben Ablagerungen. 
Sn ©daneben befi^en fie namentlich in ben $)rooingen Dft* unb 
Sßcft = @othlanb, in ©(honen unb in £>aleearlicn eine auhge* 
behnte Verbreitung. Von befonberer SBidjtigfeit ift ber Umftanb, 
bafj bie ©ilurifdjen ©djic^ten hier nod) nöDig in ber magered)ten- 
Sage unb ber ungeftorten Aufeinanbetfolgc angetroffen werben, 
in welker fie urfprünglidj alb ©ebimente aus bem SBaffer ab ge» 
fe^t inurbeu. Jpier fann nicht ber geringfte Bweifel beftehen, 
welche ©djichtcn älter unb welche jünger finb. Vefonberö an 
einigen Vetgen SBeftgothlaubö, wie namentlich beö ÄtunefuQe 
am 5ßeenern=©ee, liegen bie einzelnen Saget in gofjter Siegel* 
mafcigfeit übereinanber, an ben Abhängen beö Vergeh wie Step* 
penftufen gegen cinanber abfefcenb. £>ie Unterlage bilbet ber 
im gangen {üblichen ©djweben oerbreitete ©neifj. Auf ihm ru!jt 
gunächft at8 unterftes ©lieb ber gangen Sieihenfotge ein in mach* 
tige Vänfe abgefonbcrtev weiter ©anbftein, „ber guceiben* 
©anbftein" ber ©djwebifchen ©eologen, weil er oon organifchen 
©infchlüffen nur unbeutliche, felbft in ihrer pflanglidien Statur 
überhaupt gweifelhafte SRcfte oon gucoiben ober ©eetangen ent* 
hält. £)ann folgen fdjtoarge Alaunfchiefet b. i. ©chwefelfieä* 
haltige unb baburch für bie 2llauu=gabri!ation geeignete 2h 0 »* 
fd)iefer. ©8 finb bie älteften ©duchten in ©chwebeit mit beut* 
liehen otganijehen ©infd)lüffen. 2)ieje beftehen in Sailobiten. 

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27 


SDas fyciuftgfte goffil tft Agnostus pisiformis, ein Heiner faum 
erbfengro§er Srilobit. 2>affelbe ©efd}led)t ift and) tu ben pre= 
tojcifcben Schiefern Söbnteng bei @ine£ unb Sftep butdj 
meutere 2(rteu Dertreten. . Seltener ift in ben iSlaunfduetern 
eine fuffgrofic, |d)on Den ginne bcfdmebene 3trt ber ©attung 
Paradoxides, P. Tessini, melde einer beljmitd'en 5lrt berfelben 
©attung, ber P. Bohemicus, fo nahe fte^t, baff fie frütjer für 
ibentijcfc mit ber Sdjroebifdjcn galt unb eg einer forgfältigen 
33ergleidiung bebarf, um bie Unter] djiebe $n erfennen. ©8 finb 
alfo ben gUaunfdjiefern jwei bc$eid)nenbe 2rik'biten=@eid)led)ter 
mit ben protojoifdien Schiefern Don ©ine^ unb Sfrep in SBöh= 
men gemeinfam ttub an ^mei weit mnt einanbcr getrennten 
fünften ©uropag beginnt alfo in ben ätteften Dcrfteinerungg* 
füljrenben Schichten ba§ tbierifebe geben mit benfelben erganiiden 
germen. lieber bem SUaunfchiefer folgt als britte Stufe ein 
grauet ober rötljlicber, in birfen SBänfen abgelagerter Äalfftein. 
©r ift erfüllt mit großen, jum J^eil mehrere §nfj langen, ftab* 
förmigen ©e^äufert ber ©epholopofcen=©attung Orthoceras unb 
wirb barnad) alg £)rfboceren=Äalf be^eidwet. Sonft finb auch 
gewiffe 2rilobiten=3lrten nnb namentlid) Asaphus comigerus 
unb Illaenus crassicauda begeidfnenb. ©iefer Äalfftein ift nidft 
nur in Dft= unb 3Beft=©ofhlanb Derbreitet, fonbern fcfct namen© 
lieh auch bie 21 föleilen lange 3nfel Oelaub faft augfdliefdich 
gufammen. SSott bort ftammen wohl auch »orjugöweife bie gum 
Slbeil mehrere Äubiffufj großen 23rud)ftü<fe beffelben Äalffteing, 
welche in großer Jpäufigfeit über bie s Jlorbbeutfdie ©bene jerftreut 
finb unb namentlid) iu fBlecflenburg, Sommern, ber ÜJJarf 
Sranbenburg uub Schlefien an Dielen fünften angetroffen 
werben. 35iefe Stürfe finb offenbar wahtenb bet 3)iluDial=3«t, 
ale fidi bag 9lorbbeutfche Sieflanb noch unter bem 5Reere8fpiegel 
befanb, Don ihren Schwebifdjen gagerftätten loggetiffen unb 

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28 


gegen ©üben geführt worben, wo fie beim Schwelgen bes ©ifeö 
auf ben SJleereägrunb fanfen. Ule Art beä Sranäportä ift 
auo[ent djeinlid) biejelbe gewefen, wie biejenige, butch welche bic 
noch häufigeren unb größeren Vlocfe.eou ©neifj unb ©ranit, 
auf welche bie Benennung erratt f dbe 33 Ic cf e oorgugäweife ange* 
wenbet wirb, an ihre gegenwärtige ©teile gelangten. 2>ie .{per* 
hrnft auä bem Serben ift bei ben Äalffteinbfecfen butch bic 
Verfeinerungen, welche fie emfef>lie§etr , noch beftimmter nach* 
wciäbar, al8 bei ben ©neifj* unb ©ranit=®ef<hieben, bei welchen 
nur auä ber Uebereinftimmung ber mineral ogifchen ©efteinäbe* 
fchaffenheit ber Urfprung auä Schweben unb mnnlanb gefolgert 
wirb. 

Ueber bem £)rthoceren*Äalfe folgen an ber Äinnelutte unb 
ebenfo an anberen fünften oon Schweben noch mehre jüngere 
©lieber ber ©ilurifchen ©<hid)tenreihe, welche in ihren organi* 
fchen ©infchliiffen eine allgemeine Uebereinftimmung mit ben jün* 
geren Abteilungen beä Vöhmifchen ©ilur=Veden8 erfennen laffen. 

3n Norwegen ift bie Aufeinanberfolge ber ©ilurifchen 
Ablagerungen berjenigen in ©chweben burchauä ähnlich, nur 
liegen bie ©duften hier nicht mehr wagereebt, wie in Schweben, 
fonbern fie finb fteil aufgerichtet unb manui<hfa<h gebogen. 3u* 
gleid) finb fie oon Porphßten unb anberen @ruptiü=©efteinen 
oielfad) burchbtocben unb in ihrem mineralogifchen Verhalten 
oeränbert. Vefonberä in bem {üblichen Steile beä ganbeä, unb 
nameutlid) in ben Umgebungen oon ©htiftiania unb in ber 9iähe 
beb 9Jljofen*@eeä, finb fie über ausgebehnte $lä<henräume oerbreitet. 

3n feinem Sanbe ©uropaä befifjen ©ilurifdbe Ablage* 
rungen eine fo weite Verbreitung, alb in IRufjlanb. Auä ber 
©egenb oon Petersburg giehen fie fich hier in einer breiten 3one 
bem {üblichen Ufer beä Winuifcben fEReetbufenä entlang bur<h gang 
©hfdnnb unb anberer ©eitä oerbreiten fie ficb im ©üben unb 

(«i) 


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29 


Süboften beö §aboga*Sees. Set ganz flach geneigter, faft wage* 
rechter Säuerung jeidineu fte ficb burdj bie geringe ^eftigfeit ber 
fie zufammenfetjenben ©efteine atte. 2bon, Sanb, locferer Äalf* 
ftein ttnb Siergel , non einer Sejcbaffenbeit, wie man fie fonft 
nur in ben jüngeren unb jüngften Formationen antrifft, finb 
bie l)enfcbenben ©efteine. Offenbar ift biefe im Setgleich mit 
bem gcwöbnlid'en mineratcgiidjcn Setbalten ber älteren Sebi* 
mentär=@e(teine fo aujfaUenbe ^ocferljeit eiue Folge beö Umftau* 
beb, ba| fie feit ihrer urfptünglidten Ablagerung in il)ter Sage 
bis h ei de oerbliebett unb fo nicht ben 5)tucf erfahren h a ^en, ber 
bie burdb ungeheuere, aub ber Siefe mirfenbe Äräftc betoorge* 
brachten Hebungen notbwenbig begleitet hoben muh, burd) »eiche 
bie älteren ©efteine in ben meiften anberen Steilen ©uropaö 
ihre ftoil aufgmehtete mtb oiclfad) geftörte ScbichteufteHung et* 
hielten. Sei Petersburg ift bie ältefte Ablagerung ein blau* 
grauer $£hon oon faft 1000 F«h Piäcbtigfeit. ©in in Zetere* 
bürg neuerliche geftofjeneS Sohrlod) hot ermiefett, bah bie Unter* 
läge biefeS StboneS burch ©ranit gebilbet »itb, ber ja auch an 
ber gegenuberliegenben Äüfte beb Finnifcben SJleerbnfenS, in Firm* 
lanb, bie berrfebenbe ©ebirgSart ift. 2) er 2hon gleicht äuftetlid) 
ganj einem Sporte ber 2.ertiär=Formation unb ohne bie Ä'ennt* 
nifj feiner SagerungSoerbältniffe würbe matt in bemfelben nimmer* 
mehr ein ©lieb ber ©ilutifdien 3d)id)teureihe »ermuthen. 5)ur<h 
ben auSgezeidmeteu Petersburger Paläontologen Pa über würben 
fugelige Heine Äövpev, uon nicht näher beftimmbarer fpftemati* 
fdier Stellung, aber bobh unzweifelhaft organif^er Statut, fowie 
auch unbeutlich erhaltene Ueberrefte oon Seetangen ober Fucoiben 
in bem St^one beobachtet. 3unädhft über bem 2hone liegt überall 
ber Unguliten*Sanbftein, b. i. eine bis 100 Fu& biefe 
©djichtenfolge oon locferem Sanbftein ober lofem Sanb, in 
welcher einzelne Säger mit ben hornartig glänzenben, bunfelbrauuen, 

( 7 - 3 ) 


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30 


freiSrunben Schalen ber mit Lingula Berwanbten ©attung Ungu- 
lites ober Obolus erfüllt finb. $No<h fycljer folgt bann eine 
3 bie 10 ffufj mastige Sage oou Slaunfcbiefet ober ©cbwefel= 
fieS=reicbem fdbwargen ©chieferthon. ©iefe fteht bem Sllaun» 
fcbiefer ©chwebenS im SCIter gleich, ©enn wenn audi bie be= 
geidmenben Srilobiten=@efd)Iedbter in bem Stuffifchen Süaunfchie* 
fer noch nicht beoba d)tet würben, fo ift bagegen beiben ein ne^fötmig 
BergweigteS goffil auS ber Familie ber ©raptoliten, Dictyonema 
flabelliforme gemeinfam. 5lucb ber Umftanb, bafj bet 3llauu= 
fcbiefer in SRufdanb in gleicher SBeife wie in ©Sweben non bem 
jDrtboceren*,Sfalfe überlagert wirb, ift für bie SUterSgleichhett be= 
weifenb. SluS ber ©egenb Bon {Petersburg läf}t fidj ber Drt^o= 
eeren = Äalf burd) gang (g^ftlanb über SRarwa unb 3te»al »er= 
folgen unb geigt ficb namentlich als eine mächtige {Reihenfolge 
con grauen Äalffteinbünfen in bem 80 bis 100 gufj hohen, tu 
bem Sanbe mit bet {Benennung @lint begegneten raauerartigen 
fenfrcchten Slbfturge, mit welchem bie unteren ©ilurifchen 3tb= 
lagerungen in (S^ftlartb gegen baS ÜJteer hin enbigen. ©o ift 
alfo aud) in IRitfclanb bie ©ntwicfelung ber älteften oerfteinerungS= 
führenben ©d)td)ten mit berjenigen in ©fanbinaoien wefentlidh 
übereinftimmenb. ©er Unterfd)ieb befielt faft nur barin, bafj 
bie Unterlage ber bie erftcn beutlüb beftimmbaren orgaitifchen 
©infchlüffe enthaltenben ©deicht , nämlich beS ÜllaunfchteferS, ftatt 
beS §ucoiben=©anbftein8 in Schweben ^ier burdj ben Unguliten= 
©anbftein unb ben blauen ©h on gebilbet wirb. 

3n ©nglanb ift bagegen bie (Sntroidelung eine Bon ber 
©fanbinaoijchen unb {Ruffifdjeit im (Singeinen erheblich abweicbenbe 
unb namentlich fehlt eine bem £>rthocereu=Äalfe entfprechenbe 
mächtigere Äalfbilbung. SlUein bie altefte ©ilurifd^e gauna wirb 
auch b* CT burch biefelben ©rilobiten »formen wie in Schweben 
begeichnet. {Namentlich finb bie@attungen Paradoxidee, Agnostus 

( 784 ) 


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31 


unb Olenus gemeinfam. Sie betreffenben Schichten, »on ben ®ng= 
Kfchen ©eologen nach bent borfommcn einet Keinen ginguta als 
„gingufa=Scbicbtcn" (Lingula beds) bezeichnet, finb an meuteren 
fünften im norblichen unb füblidjen SBaleS befannt. 

SBenn in feiger SBeife in ben »erfchiebetten Silur=©ebieten 
©uropaS baß organifche geben gleichmäßig mit benfelben 3d)ier« 
formen beginnt, fo wirb cß non großem Jntereffe fein gu er= 
fahren , ob fich baß gleiche bereiten auch in anberen ©rbtßetlen 
nachweifen läßt, ©lücflichcrweiie ift bie geologifchc Äenutniß 
fflorbametifaS, Sanf ben bereits über ungeheuere ©ebiete fid) 
erftreefenbeu wichtigen Arbeiten ber borbamerifanifchen unb ©a= 
nabifchen StaatSgeologen fchon fo weit oorgefchritten, um für biefen 
(Kontinent jene ^rage mit (Sicherheit beantworten gu fönnen. 
Silurifdce Ablagerungen finb fowobl in bem Bereiche ber ber= 
einigten (Staaten, wie in ©anaba über weit auSgebeljttte, »iele 
taufenb Cuabratmeilen begreifenbe ^Iäcbenräume verbreitet. Am 
heften finb biejenigen im weftlichen Sßeile heS Staates 9tero= 
9erf befannt. .pier war bie Aufeiuanberfolge ber einzelnen 
©lieber oerhältnißmäßig leidit feftguftellen , ba bie Schichten gang 
ungeftört in berfelben Drbnung, in welcher fie urfprünglich ab= 
ge'eßt würben, mit gang flacher Steigung über eittanber gelagert 
finb. SaS tieffte ©lieb ift hier ein Sanbftein („Potsdam sand- 
stone“ ber 9iew=|)orfer Staatsgeologen) , welcher außer einigeu 
weniger ficher beftimmbaren frofftlien in befonberer ^Ȋufigfeit 
einige £ingula=Arten einfhließt. Sie für bie protogoifchen Scßifh' 
ten in böhmen, Schweben unb ©nglattb begeidjnenbett Srilobiten= 
©efchlechter fehlen hier im Staate 9iew»5)orf. Sagegen fennt 
man fie auS anberen ©egenben ber bereinigten Staaten, ©ine 
Art ber ©attung fPatabojribeS (P. Harlani) würbe in halbfrnftaU 
linifchen, früher bem Urgebirge gugereeßneten Schiefern bei 
braintree unweit bofton beobachtet. SEHeßrere anbere Arten in 

<J8i) 


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32 


ähnlichen Sd)id)ten im Staate Vermont. (Sine feljr grobe Qtrt 
(P. Bennetii) auf bei* 3nfel 9lew=gounblanb. Dtoch beftimmtet 
ift 33artaube’S ^rimorbial=3one am oberen Saufe beb SDliffiffippt 
in SRinnefota unb in SiejraS nadjgewiefen worben. 3n Serad 
lommen 2trten berfctben £rilobitew@attungen , welche and) in 
S3öl)men neben fjlaraboribeS gu ber begeidjnenbften ber fPrimots 
biaPgauna gehören unb namenttid) Bon Arionellus, Conocepha- 
Iub unb Agnostus Bor. $>araboribeS fehlt hict im SBeftcn. 2>a= 
gegen finb einzelne eigentümliche ©efdjlechter , wie namentlich 
Dicellocephalus Borhauben. 

3n f o I d> e r 2Beife ift non ber Sftewa bis gnm 5Dlif = 
fiffippi burd) baS gange norbliche Guropa unb bie 
Hälfte beS iÄmerilanifchen GontinentS eine beftimmte 
bie Vafiö beS ©ilurifchen Spftemö bilbenbe @chtch = 
tenreilje nachweisbar, welche in biefer gangen ©rftref = 
fung gleid)mä|ig burd) biefelben organifdjen gönnen 
unb uamentlidj burd) gewiffe Srilobiteu = @efchled)ter 
begeidjnet wirb. GS ift mit 2Bal)rfd)einlid)feit angunehmen, 
bah bie Verbreitung biefer Sd)id)tenfolge eine gang allgemeine 
ift unb bah überall auf ber Grbe baS organifdje Seben mit ben= 
felben ober bod) analogen St)ievformen begonnen bat. Söenn in 
33etreff ber gauna ber Silurijdjcn Sd)id)ten überhaupt Borher bet 
üftadjweiS geliefert würbe, bah f' c feineSweges, wie es nad) einet 
früher oerbreiteten irrigen 2lnfid)t über bie allmählich 6 C5ntlx>xf= 
felung beS organifdjen SebeitS auf ber Grbe ber galt fein mühte, auS 
ben nicbrigften uub uuoollfommeuften2;hi cr f 1 - n ' metl befiehl, fo ift bieö 
auch betreff ber gulejjt betrachteten protogoifdjen ©d)id)ten 
burchauS unrid)tig. Senn bie ben ,$auptbeftanbfheil bilbenben 
Slrilobiten finb als Gruftaceen 2dn cve bou Berbättnihmähig fd)eu 
hoher unb Bollfommener Drganifation. 2lud) bie 9)lannid)faU 
tigleit ber thierijdjcn gormen ift feineSweges gang gering. 21 upet 

( 766 ) 


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33 


ben 5£rilobiten , oon bene« allein in 93otb=9lmerifa bereits gegen 
60 Sitten in ber ptotogoifdjen Schiften folge beobachtet würben, 
ftnb bie 33ra<hiopoben , bie gameUibranchiaten ober eigentlichen 
3Rufd)eln, bie fpteropoben, ©aftropoben unb Ge^balo^oben, alfo 
olle großen .£>auptabtheilungen ber SOßoUuSfen, burd) einzelne 
Sitten oertreten. Slud) bie in ihrer f pftematif d>en Stellung un= 
fieberen ©raptoltten haben, namentlich in 9torbamerifa, einen nicht 
gang unerheblichen ©eftanbtheil ber $)rimorbial=§auna geliefert. 

3n neuefter Seit hat man fidj nun aber nicht begnügt, baä 
organifche geben big gu ben prcto 3 oifcf)en Schichten hinab nach 5 
gewiefen gu haben, fonbern e§ finb oon oerjehiebenen Seiten 
SSerfuche gemadit worben, baffelbe in noch tiefere ©efteinßfd)idjten 
hinab, ober ber Seit nach in noch weiter entlegene ©pochen ber 
©rbbilbung gu cerfolgen. SOlan hat in gewiffen frpftallinifchen 
ober halbfroftallinifchen bisher bem Urgebitge gugered)neten ©^ 
fteinen organifche ©infchlüffe gu erfennen geglaubt. SSefonbereS 
Sluffehen haben bie in Siorbatnerifa gemalten Sluffinbungen 
biefer Slrt gemacht. 3n ©anaba bilbet nach hen SluffteUungen 
ber bortigen StaatSgeologen ein auS ©neiffen, Cuargiten, 
©hiorttfehtefern unb ftpftaHinifchen .ftatffteinen gufammengeftf}te8 
Sd)id)ten = Softem oon ungeheurer, auf 50,000 ftufj gefehlter 
SJtächtigfeit bie Unterlage bet tiefften ben protogcifchen Schichten 
33arraube’8 gleichftehenben Silurifdfen Slblagerungen. ©iefe @e» 
fieine oerbreiten fid) nicht nur in ©anaba über weite ^Iäctjcn» 
räume, fonbern finb auch in hem ©ebiete ber ^Bereinigten Staa* 
ten in grofjer Stubbehnung gefannt unb fetjen hier namentlich 
eine in bem gangen 33 erlaufe beS Sllleghano = ©ebitgeS nach weis» 
bare 3one gufammen. 3n ©anaba hat man biefeS gange Schieb* 
ten=Spftem in gwei .Ipauptabtheilungen , nämlich eine untere, bie 
gaurenttfehe nach hem 33orfommen am St goreng=Strome 
benannte ©ruppe unb eine obere, bie ^nronifdje ©ruppe glie= 
bern gu fönnen geglaubt. 3n frpftallinifchen, bem oberen Sh«* 6 

IV. 92. 3 (787) 


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34 


ber Saurentifcfjen ©ruppe angeßörigen Äalffteiuen würben im 
3aßte 1865 eigentßümlüße Dörfer aufgefunben, reelle organt* 
fdjen UtfprungS fern f ollen unb welche mau Eozoon Canadense 
nannte, ©iefelben befielen in unregelmäßigen, biö 1 Äubiffuß 
großen Partien be8 ÄalffteinS, trelcljc mit conceutrifcßen Säubern 
ober £agen »on Serpentin butdjgogen ftnb. 3)ie Serpentin* 
Sauber befteßen aus feinen runblicßen Äßtncßen, reelle butcß 
feine gaben »on Serpentin oerbunben ftnb. ®er englifcße 3oo* 
log ©arpenter bat nun bei ber mifroffopifcßen Unterjucßmig 
biefer Waffen in benfelben ben Sau ber fPolptßalamien ober 
goramtniferen ju erfennen geglaubt. Snbere Seobacßter ßaben 
fidj biefer ünfidit angefdßloffen unb feitbent gilt Eozoon Cana- 
dense alä eine riefenßafte erlofcbene gorm ber $)olpißalamien unb 
gugleid) als bie ältefte foffile Sßierfotm. 2>ie untere ©renje ber Ser* 
Jreitung organifcßer jfßtpet wirb burcb biefe Jluuaßme gegen 
30,000 guß tiefer al8 M8ßct in bet 9ieißenfolge ber ©eftcinä* 
fdjidden ßinabgerücft unb e8 erfcßeint naßeliegenb, aucß in 
tieferen ©liebern ber gaurentifcßen ©ntppe ba8 Sorfommen non 
Serfteinerungen ju oermutßcn. Seitbem ßat man biefelben 
Körper autß in ©utopa unter äßnlid)en Serßältniffen in frpftal* 
linifcßen ber ©neiß=gormation untergeorbneten Ä'altlagcrn be* 
obacßtet. ©8 ift ba8 Sorfommen oon Eozoon Canadense na* 
mentlicß autß in bem ©neiß be8 Sßßmer 2Balbe8 unb in bent* 
jenigeit be8 ncrbliden ScßottlanbS beobad)tet worben. 9)ian 
ßat au8 biefem Sorfommen aucß bie ©Icidyeitigfeit ber betreffen* 
ben @neiß*Silbungen mit ber ?aurentifdien ©ruppe in 9fotb* 
amerifa folgern gu fönnen geglaubt. Allein biefe unb alle anbe* 
ren au8 bem Sorfommen be8 Eozoon Canadense ßergeleiteten 
Scßlüffe entbehren bet Segtünbung. 3n Söirflidjfeit ift näm* 
ließ bie tßierifdse 9iatur ber angeblichen goraminifere feine8wege8 
ftdjer, fonbern e8 ftnb biefe Äötper lebiglitß als unotganifdje 
Smprägnationen be8 ÄalffteinS mit Serpentin anpfeßen. 35a8 

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oötlig frpftatlimfcfee ©efüge beb Äatffteinb , bei meinem bie ©t= 
haltung oon Organismen überhaupt unmöglich fcheint , bie 33 e* 
fcfjaffen^eit beg als 33erfteinerungbmittel bisher gang unbefannteu 
Serpentinb unb eufclid? beg oermeintltchen SL^iercS felbft, ireld>eS 
mit feinen enormen 2 )imenfionen neben ben winzigen formen 
ber lebenben geraminifeten ganz oereinjelt baftel)t unb bem am 
wenigften, wie man hoch ermartcn feilte, irgenb ein befamtteb 
Soffil bet älteften Silurifdjeu Ablagerungen 31 t oetgleidjett ift, 
fpredien gleichzeitig gegen bie organifebe Statut beb Sogoon, 
©benfo finb auch alle anberen angeblichen S5lljier= unb fPflanjen* 
refte , welche neuerlichft au 8 frnftallinifdjen ober halbfroftnllunfcben 
bisher bem Urgebirge jugerechneten ©efteinen befchrieben finb, lebig* 
lieh als zufällige, organifd?c^ormen imitirenbe Gilbungen anjufehen. 

So bleiben alfo »erldufig bie 3 d)icrformeu bet protogoifchen 
Schichten, welche 33arranbe alb bie $)rimorbiaUftauna bezeichnet 
hat, bie älteften fidjer alb foldie beftimmbaren. ®ie SMöglich* 
feit, eine noch ältere foffilc gauna in nod) tieferen Sd)id)teu 
nachzuweiien, erfcheint zwar nicht ganz aubgefdjloffen, aber ber 
Umftanb, baf) in fo weit oon einanber entlegenen ©ebieten, wie 
33öhmen, Sfanbinaoien unb Dtorbamerifa, in gleicher SBeife ue 
Diethe ber in ben aufeinanberfolgenben ©efteinbforntatiouen be= 
grabenen 3B)ieT)chöpfmigen mit biefer $>rimortial=ftauna ttad? unten 
fehltest, macht bie Aufftnbuug noch älterer Raunen wenig wal)t- 
fcheinlich. @r fd)eint nämlich z u beweifen, bah alle Schiditeu, 
welche älter finb alb bie protojoifchen , ficher alb feiere erfenw 
bare otganifche ©infehlüffe entbehren, entweber, weil gu ber Beit, 
alb fie fich abfe^ten, b ab 5)ieer überhaupt noch nicht oon Spieren 
unb Pflanzen belebt war, ober weil biefe Schichten nach ihrer 
ur)prüng[ichen ober burch fpätere ©inwirfung oeränberten Dlatur 
für bie ©rhaltung foffiler Organismen ungeeignet waten. 

$üt je|t haben wir jebenfallb ©runb mit bem ©rgebuiffe 

ber bibherigen Vorübungen zufrieben z“ fein, welche in einem 

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»erljältnifjmäfiig fo futjen Seitraume baß frühere otganiffte 8e= 
beit auf bet (Stbe, wenn niftt biß an feinen äufserften Urfprung, 
{ebenfalls biß in bie fRäbe feiner erften Anfänge burft galjlreidje 
gwifftenliegenbe außgeftorbene Sftiet; unb Pflanjenfftöpfungen 
»erfolgt tjat. 33ergleiftt man mit unfeter gegenwärtigen Äennt* 
nifj baß im Anfänge biefeß 3<ftrl)unbertß auf biefen (gebieten 
»orljanbene SBiffen, fo tritt biefer Erfolg in feiner gangen S3c* 
beutung beroor. SDamalß waren !aum bie Strftümet früherer 
3aljrfjunberte , weifte in ben SBerfteinerungen entweber nur 9Ra* 
turfpiele ober fRefte ber föiofaifften §luft erblitften, befeitigt unb 
auß ben bem ©teinfofylengebirge im Alter »oraußgeljenben Ab- 
lagerungen, bem bamalß fogenannten Uebergangßgebirge, waren 
nur »ereingelte, meiftenß auft falfft gebeutete .foffile Organismen 
in fo geringer 3cftl befannt, bafs fie nur etwa genügten, baS 
Sßotfyanbenfein beß Sftierlebenß gut 3 eit beß Abfafjeß biefet 
©ftiftten auf ber @rbe naftguweifen, niftt aber um eine auft 
nur annäfjernb rifttige 33orfteQung »on bem Umfange unb ber 
Art biefeß Sftietlebenß gu gewähren. SBirb am ©ftluffe biefeS 
Safyrfyunbertß Abrechnung übet ben 3uwaftß gehalten werben, 
weiften ber Sftafj unfereß fRaturwiffenß burft bie roiffenfftaftlidje 
Arbeit in bemfelben erfahren hat, fo wirb bie Sßacbmeifung einer gan= 
gen SReilje »on untergegangenen S£^ier= unb $)flangenfftöpfungen, 
bie in enger otganifftet Skrfnüpfung unter fift unfere (grbe 
naft einanbet bewohnten unb »on benen bie ältefte ben auffadenbften 
©ontraft gu ber lebenben ©ftöpfung bilbet, als eine bet glän® 
genbften unbwerfteollften geiftigen (Erwerbungen »ergeiftnet werben. 


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Xmti »on ffltbr. Ungtr (S6. ®rimm' in B«rlln, grit6ri4»fh. J 4 . 


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